Kennst du deine Mikronährstoffräuber?

Die meisten Menschen, die regelmäßig (chemisch- pharmazeutische) Medikamente einnehmen, wissen nicht, dass diese dem Körper Vitamine und Mineralien entziehen können. Verschreibungspflichtige sowie auch rezeptfreie Medikamente greifen mitunter tief in den natürlichen Stoffwechsel des Menschen ein. Oft beeinträchtigen sie dabei auch die Aufnahme Funktion, wie auch die Verstoffwechselung von Nährstoffen. Besonders bei Langzeittherapien kann es auf diese Weise zu einem Mangelzustand wichtiger Mikronährstoffe kommen, was sich durch unterschiedliche Nebenwirkungen zeigen kann. Dies lässt sich vermeiden durch eine gezielte Supplementierung und verhindert so Nährstoffmangel.

➥ Autor: Barbara M. Thielmann

➥ Unsere Empfehlung: Einblicke in die Welt der Mikronährstoffe

Typische Medikamente, die „Mikronärstoffräuber“ sind

Es dürfte jedem klar sein, dass zu diesen Medikamenten an erster Stelle die Antibiotika stehen. Aber es gibt noch einige mehr, die oft sehr unbedarft genommen werden, aber zum Teil noch mehr Schaden anrichten können. Deshalb listen wir hier die bekanntesten, mit ihren Interaktionen zum Nährstoffhaushalt auf.

CHOLESTERINSENKER (Statine)

Sie hemmen die Produktion des Coenzyms Q10, welches für die Energieproduktion wichtig ist. Mögliche Folgen sind Erschöpfung, Schwäche, Gedächtnisverlust, Kurzatmigkeit, Krämpfe in den Beinen, sowie häufige Infektionen.

ANTIBIOTIKA

Hemmen das Wachstum von Bakterien, einschließlich der „guten“ Darmbakterien, sowie Bakterien, die B-Vitamine produzieren.

SCHMERZMITTEL

(zu denen auch nichtsteroidale Entzündungshemmer – oft als NSAR bezeichnet – gehören, wie z.B. IBUPROFEN und ASPIRIN) erhöhen das Risiko von Magengeschwüren und Blutungen, indem sie die Prostaglandine angreifen, welche die Magenwand schützen. Das hat Eisenverlust zur Folge, der durch einige NSARs, die Eisen binden und es wirkungslos machen, noch weiter verschlimmert werden kann. Die möglichen Folgen können Herzkrankheiten, Depression, Durchfall und Blutarmut sein.

ACE – HEMMER, MEDIKAMENTE GEGEN BLUTHOCHDRUCK (nicht alle, nur einige)

Sie erweitern die Blutgefäße, binden sich im Körper an Zink. Dies kann sich negativ auf das Wachstum bestimmter Körperzellen, auf das Immunsystem und die Testosteron-Produktion auswirken.

Foto: @Johnstocker via envato.elements

HORMONELLE VERHÜTUNGSMITTEL

Sie sind große Vitamin- und Nährstoffräuber und erhöhen den Bedarf an Vitamin C, an B-Vitaminen (speziell Folsäure) sowie Zink, Magnesium und Mangan. Verschiedene Nebenerscheinungen hormoneller Verhütungsmittel wie Depressionen, Blutzuckerschwankungen und Ödeme können durch Mangelerscheinungen erklärt werden.

PROTONENPUMPENHEMMER

Sie verhindern durch verringerte Säurebildung die Freisetzung von Vitamin B12 aus der Nahrung. Gleichzeitig beeinträchtigt der Säuremangel im Magen auch die Aufnahme von Vitamin C und Eisen aus der Nahrung.

Wie du sehen kannst, sind Langzeiteinnahmen dieser sehr häufig verordneten Medikamente nicht unproblematisch.

Daher ist es zu durchdenken, ob man solche Medikamente nicht anderweitig ersetzen könnte und ob nicht eine alternative Behandlung mit Ursachenforschung angesagt wäre. Das aber entscheidet ja jeder Mensch selbst, sollte er zumindest. Wir können dir hier nur Empfehlungen nennen, die du am besten mit einem erfahrenen Therapeuten austesten und besprechen solltest.

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Mikronährstoffe supplementieren

Welche Mikronährstoffe bei welchem Medikament? Hier eine Auswahl an Empfehlungen.

Statine senken deinen Cholesterinspiegel, indem sie das Schlüsselenzym HMG-CoA für die Cholesterinbildung hemmen. Und genau dieses Enzym ist auch essentiell für die körpereigene Bildung des Coenzyms Q10. Studien dazu haben gezeigt, dass Statine den Coenzym Q10-Spiegel signifikant senken. Das erklärt dann auch die Nebenwirkungen der Statine wie Muskelschmerzen, Muskelschwäche und Schwäche der Herzmuskulatur. Von daher ist eine Supplementierung des Coenzyms Q10 als Mikronährstoff zu empfehlen.

Weiter kann ein länger anhaltender Einsatz von Lipidsenkern zu gravierenden Veränderungen des Vitamins D3, sowie der Vitamine B6, B12 und Folsäure führen.

Antibiotika zählen zu den weltweit am häufigsten verordneten Arzneimitteln. Alleine in Deutschland werden pro Jahr ca. 30 Millionen Therapien mit Antibiotika durchgeführt. Durch Antibiotika kommt es zu Mangelversorgung mit Mikronährstoffen. Die natürliche Darmflora gerät aus dem Gleichgewicht und auch die Stoffwechselwege von Vitamin C, Vitamin B2 und Vitamin K2 werden beeinflusst.

Antibiotika hemmen nicht nur das Wachstum krankmachender Bakterien, sondern aller Arten von Mikroorganismen! Das bedeutet, während bei gesunden Menschen mit einem normalen Immunsystem die physiologische Darmflora nach einer Antibiotikagabe in der Regel recht schnell regeneriert, kommt es bei immunschwachen oder belasteten Patienten häufig zu dauerhaften Störungen der Darmflora. Da nach den großflächigen Coronaimpfungen die Immunsysteme der geimpften Menschen deutliche Schwächen zu verzeichnen haben, wird die zusätzliche Einnahme von Antibiotika nicht unbedingt zur Verbesserung der Volksgesundheit beitragen.

Foto: @Vladdeep via envato.elements

Interaktionen bestimmter Antibiotika mit Mikronährstoffen:

  • Tetracycline hemmen den Vitamin-C-Stoffwechsel in der Zelle und fördern die Vitamin-C-Ausscheidung über die Niere, sodass der Vitamin C Bedarf steigt. Außerdem wird bei der Gabe von Tetracyclinen auch vermehrt Vitamin B2 über die Niere ausgeschieden. Heißt: bei Tetracyclin sollte Vitamin C und Vitamin B6 zugeführt werden.
  • Cephalosporine (Cefazolin, Cefadroxil, Cefalexin, Cefixim und Cefoperazon) stören im speziellen den Regenerationszyklus von Vitamin K2 in der Leber. Daher zusätzlich K2* supplementieren.

* K2 Supplementierung mußt du unbedingt mit deinem Arzt oder Therapeuten absprechen, wenn du zum Beispiel Coumarine (Marcumar,Warfarin etc.) zur Hemmung der Blutgerinnung nimmst.

Schmerzmittel (Analgetika)

Schmerzmittel gehören zu den am meisten genommenen Medikamenten in Deutschland. Das einfach deswegen, weil viele rezeptfrei zu erhalten sind. Und so mancher hat auf seinem Speisezettel zusätzlich Ibuprofen oder Voltaren stehen. Grundsätzlich führen alle Analgetika – kleine wie große – besonders bei längerfristiger Einnahme zu Mikronährstoffmangel.

Sie beeinflussen den Vitamin-C-Haushalt, die B-Vitamine, B12 und Folsäure und auch das Niacin. Darüber hinaus sind sie beeinträchtigend für die Eisenaufnahme und die Glutathionspeicher. Es ist daher sinnvoll, diese Mikronährstoffe zu ergänzen bei längerer Schmerzmitteleinnahme. Aber auch bei sich immer wiederholender. Siehe zum Beispiel Regelschmerzen, Kopfschmerzen, Migräne etc.

Blutdrucksenker und ACE-Hemmer

Antihypertonika nehmen bei langfristiger Einnahme Einfluss auf deinem Vitamin C und Zink-Haushalt. Außerdem wirken sie sich hemmend auf den Vitamin B6, Folsäure und Niacin (B3) Bedarf aus, sowie den Coenzym Q10-Spiegel. Es wäre von daher sehr dringend geraten, diese Mikronährstoffe unbedingt aufzufüllen bei einer langfristigen Einnahme von diesen Medikamenten.

  • Antihypertensiva wie Betablocker, Hydralazin oder Clonidin verursachen den Abbau vom Coenzym Q10
  • Gefäßerweiternde Wirkstoffe wie Dihydralazin wirken als Vitamin B6-Antagonist. Bei Langzeiteinnahme können dadurch neurologische Störungen auftreten
  • Antihypertensiva, die zusätzlich entwässernd wirken, wie z.B. Triamteren, fungieren als Folsäure-Antagonisten. Bei Langzeitgabe kann es zu megaloblastären Anämien führen, da diese durch Folsäuremangel ausgelöst werden.
  • Antihypertonika verursachen Vitamin B3 Mangel (Niacin)
  • ACE-Hemmer können mit Zink Komplexe bilden, die dann vermehrt über die Nieren ausgeschieden werden. Es kommt zur Zinkverarmung. CAVE. Dabei sei angemerkt: die Verarmung von Zink und B6 durch die Ausscheidung über die Niere kann zur HPU oder KPU (Kryptopyrolurie) führen. Menschen, die unter dieser Krankheit leiden, können Giftstoffe kaum noch oder gar nicht mehr ausscheiden!
  • Calciumkanalblocker wie z.B. Nifedipin und Nicardipin vermindern die Resorption von Vitamin C aus dem Darm und die Vitamin-C-Aufnahme in den Körperzellen. Folge ist ein erhöhter Bedarf an Vitamin C.

3d illustration. Model of dopamine molecule, Hormone of Happiness.

Orale Kontrazeptiva (Antibabypille) und andere hormonelle Verhütungsmittel

Hormonelle Verhütungsmittel beeinträchtigen den Körper der Frau extrem, indem sie in physiologische Stoffwechselprozesse eingreifen. An diesen Stoffwechselprozessen sind immer auch direkt oder indirekt Mikronährstoffe, Mineralien und Spurenelemente gekoppelt. Das heißt im Klartext: die Einnahme der Pille oder anderer ähnlicher Mittel führt bei allen Frauen über die Zeit zu schweren Mangelerscheinungen, die auch stärkere Wechseljahreserscheinungen mit sich bringen, wird hier nicht massiv ausgeglichen. Geschieht das nicht, kann es zu gravierenden Veränderungen im Mikronährstoffbedarf führen. Besonders betroffen sind dabei alle B-Vitamine, insbesondere Folsäure, B2, B6, B12 sowie Vitamin C, Vitamin E, Magnesium, Zink und Mangan.

Protonenpumpeninhibitoren (PPI) und H2-Blocker

PPI hemmen das Enzym H+/K+-ATPase und greifen so direkt in die Produktion von Salzsäure in der Magenschleimhaut ein. Bei einigen dieser Pharmaka ist die Wirkung irreversibel, sodass die Salzsäurebildung langfristig gehemmt wird. H2-Blocker hemmen die Salzsäureproduktion, die zum Beispiel durch Histamin, Gastrin oder Insulin ausgelöst wird, indem sie die in der Magenschleimhaut befindlichen H2-Rezeptoren blockieren.

Bei langfristiger Einnahme von PPI und H2-Blockern kommt es zu erheblichen Nebenwirkungen, die zum Teil durch die Interaktion des Medikaments mit dem Stoffwechsel einiger essentieller Mikronährstoffe hervorgerufen werden.

Foto: @Iakobchuk via envato.elements

Besonders betroffen sind die Stoffwechselwege von Vitamin D3 und Vitamin C, den B-Vitaminen B6 und B12, sowie der Folsäure. Außerdem Magnesium blockiert, Calcium angegriffen und bei Zink die Resorption gestört.

Es ist daher in jedem Falle angeraten bei Einnahme dieser Medikamente über längeren Zeitraum, die genannten Vitamine zu supplementieren. Dauerhaft.

Zusatzempfehlung: Studien haben gezeigt, dass bei der Einnahme von PPIs, H2-Blockern und Antazida die Eisenresorption aus dem Darm um bis zu 68% (!) vermindert sein kann. Bei längerfristiger Gabe sollte also der Eisenspiegel regelmäßig kontrolliert werden und bei Bedarf Eisen substituiert werden.

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Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen können die Beratung durch einen Arzt nicht ersetzen – sie sind keine medizinischen Anweisungen. Die Informationen dienen der Vermittlung von Wissen und können die individuelle Betreuung bei einem Sprechstundenbesuch nicht ersetzen. Die Umsetzung der hier gegebenen Empfehlungen sollte deshalb immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden. Das Befolgen der Empfehlungen erfolgt auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung

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