Schwarze Zugsalbe: ein uraltes Heilmittel wird wieder entdeckt

Hildegard von Bingen (1098-1179) setzte schon im elften Jahrhundert sehr ähnliche Kräutersalben ein. Etwas später tauchen Begriffe in der Volksmedizin und Klostermedizin auf, die von etwas, wie „Schwarzer Salbe“ sprechen. Es ist ein sehr altes Mittel, das schon seit ungefähr 1400 benutzt wurde. Ob die berühmte Schwarze Salbe eher Volksmedizin, Kräuterwaibel-Medizin oder verdächtiges „Hexenwerk“ war, ist schwer abzugrenzen. Im 17. und 18. Jahrhundert therapierten die Ärzte Frankreichs (l’onguent noir) und Englands mit der Schwarzen Salbe (Black Ointment). In Irland nannte man die „Kräuterfrauen“ und Hebammen im Volksmund „Black Ann“, also „schwarze Anna“ und es heißt, dass das von der Schwarzen Salbe herrührt, die man für vieles einsetzte. Je nach Region ist die Zusammensetzung etwas anders.

Sogar in Nordamerika gibt es ein Pendant der Schwarzen Salbe, allerdings aus anderen Zutaten. Hier wird der Hauptwirkstoff aus der Blutwurz gewonnen und ist auch heute noch in der traditionellen Medizin in Gebrauch. In Europa und weiter im Osten besteht der Hauptwirkstoff aus sulfoniertem Schieferöl.

Mitte des 19. Jahrhunderts entdeckte der deutsche Hautarzt die gute, alte Schwarze Salbe wieder. In seiner privaten Hautklinik bei Hamburg, dem „Dermatologikum“ hatte er sehr gute Erfolge mit der Schwarzen Salbe und galt damals als der führende Dermatologe. Er nannte die Schwarze Salbe Ichthyol nach dem Wirkstoff Ammoniumbituminosulfonat oder auch Ichthammol und schrieb einige Abhandlungen darüber in den „Monatsheften für praktische Dermatologie“.

Alle diese Salben sind sogenannte „Zugsalben“ oder „Ziehsalben“. Sie alle haben eine starke, durchblutungsfördernde, entzündungshemmende, schmerzlindernde, juckreizlindernde Wirkung. Dabei resorbieren sie Stoffe aus dem Gewebe und zeigen auch phagozytose-fördernde Eigenschaften. Phagozytose bedeutet, dass Zellen Partikel in sich aufnehmen, das stammt aus dem griechischen phagein, was fressen, aufnehmen, einverleiben bedeutet.
(Für Interessierte: Daher kommt auch der Begriff Sarkophag. Denn sarkos = Fleisch, Leiche und phagein = einverleiben, umschließen. Sarkophag heißt also, das die Leiche Umschließende.)

So haben wir zum Beispiel in unserem Blut „Makrophagen“, das sind Zellen die Krankheitserreger „fressen“ und so vernichten. Die Zugsalben fördern genau diese Eigenschaft der Immunabwehr. Krankheitserreger werden viel schneller und stärker von den entsprechenden Blutkörperchen weggefressen und die Heilung wird durch die stark erhöhte Durchblutung auch beschleunigt. Gleichzeitig dichtet die schwarze Salbe auch noch den Bereich steril ab und verschorft zu einer schützenden, harten Schicht.

Die hier bekannte klassische Schwarze Salbe wirkt über das sulfonierte Schieferöl (Ammoniumbituminosulfonat, Ichthammolum), auch „Ichthyol genannt, indem sie die Haut aufweicht und durchblutet und gleichzeitig antibakteriell und entzündungshemmend auf das Gewebe darunter wirkt. Die Heilung des Entzündungsherdes und das Einschmelzens des Krankheitsherdes geschieht wesentlich schneller, sodass der Durchbruch des Eiters und der Rückstände fast schon aus dem Körper „herausplatzen“. Darum heißen diese Salben auch Zugsalbe.

Dementsprechend ist die Schwarze Salbe sehr wirksam bei:

  • größeren oder kleineren Abszessen, Furunkeln, Ekzeme etc.
  • Gelenkschmerzen, Gelenkentzündung
  • Prellungen und Verstauchungen
  • Schuppenflechte
  • Arthrose
  • Akne und Mitessern
  • Entzündeten oder eitrigen Haarwurzeln
  • Nagelbettentzündungen
  • eingewachsenen Nägeln
  • Fersensporn
  • nicht entfernbaren Splittern unter der Haut, die dann sehr schnell herauseitern wobei die Haut viel schneller heilt
  • Geschwüre und „offene Beine“
  • Ostitis externa, also eine Entzündung, oft schorfig und eitrig um den äußeren Gehörgang durch Eindringen von Bakterien, auch „Taucherohr“, Surferohr“ oder „Schwimmbadohr“ genannt.

Diese Schwarze Salbe ist auch zur Behandlung von Tieren zugelassen, da sie keine giftigen Rückstände im Körper des Tieres hinterlässt. Zu den Wirkungen der Schwarzen Salbe gibt es nicht allzu viele Studien, aber einige belegen schon die Erfolge des alten Mittels, auch gegenüber modernen Medikamenten.

Leider riecht die Schwarze Salbe nicht besonders gut, ein bisschen nach altem Diesel, der Erfolg mach das jedoch auf jeden Fall wett, zumal sie nicht viel kostet. Sie lindert Schmerzen, auch Gelenkschmerzen sehr schnell und ohne Nebenwirkungen.

Die Anwendung ist einfach, es müssen jedoch ein paar Dinge beachtet werden.

  • Man muss eine dicke Schickt auftragen, sonst wirkt sie nicht und bildet auch keinen Schorf.
  • Die Salbe verfärbt die Haut vorübergehend , das verschwindet aber wieder.
  • Die Stelle mit der Salbe muss unter einen Verband, sonst schmiert man die Salbe herum.
  • Sollte nach spätestens fünf Tagen keine Besserung eintreten, zum Arzt gehen.
  • Die Salbe kann Hautirritationen hervorrufen. Sollte dies massivere Art sein, mit der Behandlung sofort aufhören.

Diese traditionelle „Schwarze Salbe“ ist jedoch nicht zu verwechseln mit der indianischen Schwarzen Salbe, die zur Heilung von Brust und Hautkrebs dienen soll. Sie soll Hautkrebsgeschwüre und Tumore in der Brust so effektiv herausziehen, dass diese etwa 14 Tage nach der Anwendung aus der Haut herausfallen. Wer sich darüber informieren möchte, findet hierzu sehr viel im Netz. Allerdings auch dringende Warnungen davor.

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Die in diesem Beitrag enthaltenen Informationen, von Jana Witschetzky, können die Beratung durch einen Arzt nicht ersetzen – sie sind keine medizinischen Anweisungen. Die Informationen dienen der Vermittlung von Wissen und können die individuelle Betreuung bei einem Sprechstundenbesuch nicht ersetzen. Die Umsetzung der hier gegebenen Empfehlungen sollte deshalb immer mit einem qualifizierten Therapeuten abgesprochen werden. Das Befolgen der Empfehlungen erfolgt auf eigene Gefahr und in eigener Verantwortung

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