Von den ersten Irrtümern der Medizin bis zu den ersten Impfschäden

Die Geschichte der Medizin ist voller Irrtümer und gerade wegen der vielen, vermeintlichen „Helden“ – wie Robert Koch, Louis Pasteur u. a. – auf einigen verworrenen Pfaden unterwegs. Bis zum „Reichsimpfgesetz“ war es ein weiter Irrweg und es dauerte 75 Jahre, bis die ersten Impfschäden gerichtlich nachgewiesen wurde. Hintergründe, die man als „Patient“ kennen sollte.

Autor: Andreas Müller-Alwart

Der Volksmund weiß: „Eine Grippe dauert, wenn man einen Arzt konsultiert, eine Woche. Ohne Arzt hingegen sieben Tage.“ Was so unsinnig, ja fast albern, klingt, bringt es dennoch auf den Punkt: Nicht der Arzt und nicht eine Therapie heilen einen Patienten, sondern ein Patient heilt sich im Grunde genommen immer selbst. Der Arzt und die Therapie sollen deswegen die Selbstheilungskräfte eines Patienten fördern. Die Selbstheilungskräfte wiederum werden dadurch gestärkt, dass man dem Körper (oder der Seele!) etwas hinzufügt, das ihm fehlt, oder dass man etwas Schädliches loslässt oder vermeidet. Das leuchtet ein: Die Ursache muss gefunden werden. Eine Operation oder ein Heilmittel können hilfreich sein. Auf lange Sicht helfen sie nicht, wenn die Ursache nicht gefunden und behandelt wird. „Heilmittel waren für hippokratische Ärzte gegenüber Lebensstilveränderungen immer nachrangig“, schreibt der Medizinhistoriker Dr. med. Gerd Reuther in seinem sehr aufschlussreichen Buch „Heilung Nebensache“. (1)

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Der Glaube versetzt Berge

Nun ist ebenso bekannt: Der Glaube versetzt Berge. Wer also an seine Selbstheilungskräfte glaubt, wird wohl die Kraft der Heilung erfahren; im Gegensatz zu den Menschen, die „mit einer Krankheitstheorie den Glauben an ihre eigenen Selbstheilungskräfte […] verlieren.“ (1) Die Ärzte wussten auch schon sehr früh, um die heilende Wirkung von „Feuer“ – sprich: Fieber. „Gebt mir die Macht, Fieber zu erzeugen, und ich heile jede Krankheit“, soll der naturphilosophische Vordenker Parmenides von Elea im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung bereits erklärt haben. Fieber – heutzutage wird es nur noch selten als gesunde, heilende Körperreaktion verstanden, sondern viel zu oft und viel zu früh bekämpft. Doch das Fieber ist nicht die Krankheit – es ist das Symbol eines Versuches des Körpers, etwas zu heilen.

Dieses Beispiel ist trivial, aber auch prägnant für eine Medizin, die zwar in der Unfallchirurgie bzw. Chirurgie ohne Zweifel viele Erkenntnisse gewonnen hat und Großes zu leisten vermag, die aber gleichzeitig vor den chronischen Erkrankungen mehr oder weniger kapituliert. Auf der einen Seite werden immer mehr Menschen als chronisch krank eingestuft, was auch an veränderten Grenzwerten, z. B. beim Bluthochdruck, liegt, auf der anderen Seite stochert die Medizin bei den Zivilisationskrankheiten oft im Nebel. Woran liegt das? Es liegt zum einen daran, dass man sich auf der Suche nach monokausalen Ursachen, die komplexen Zusammenhänge im Körper unterschätzt. Es liegt aber auch daran – und das ist die wesentliche Krise in der Medizin –, den Menschen nicht in seiner Ganzheit zu betrachten: Körper und Seele und Geist sowie die Mitwelt.

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Das Heilungsmonopol der Kirche

Was nützt es beispielsweise, den Bluthochdruck durch Medikamente senken zu wollen, wenn die Ursache für diesen Bluthochdruck nicht gleichzeitig erkannt und abgestellt wird? Ist es der Stress am Arbeitsplatz, die Angst um die Existenz? Ist es eine schädliche Beziehung oder ist es eine bestimmte Ernährung oder ein Verhalten, das diesen Menschen zum „chronischen Bluthochdruckpatienten“ macht? Es geht hier nicht nur um eine Schuld des Patienten, sondern um eine Erkenntnis für eine positive Lebensveränderung.

Früher – und da beginnt diese Geschichte – war das anders: Einst durfte nur mit dem Segen der Kirche geheilt werden. Wer krank war, so die Auffassung, sei selber schuld, müsse sich der Kirche unterwerfen. Alles andere wurde als Kritik an der christlichen Schöpfung verstanden. Krank durch „natürliche“ Faktoren? Das wäre einer Kritik an Gott gleichgekommen. Krank durch die Mitwelt (Umwelt)? Das „würde eine Schuld der Herrschenden in den Raum stellen“. (1) Das „Heilungsmonopol“ (1) der Kirche durfte nicht infrage gestellt werden: Heilen dürfen nur Heilige.

Die Gesundung des Menschen interessierte die Kirche nicht

Dies ist wichtig zu verstehen: Die Gesundung des Menschen stand nie im Mittelpunkt, sondern Krankheit und Tod waren kirchliches Kerngeschäft. Dadurch wurden zahlreiche Erkenntnisse und Entwicklungen in der Medizin über viele Jahrhunderte ausgebremst: „Wer vor seinem Schöpfer sündigt, der soll dem Arzt in die Hände fallen.“ (2) Umso erstaunlicher, wenn es dennoch Menschen gab, die andere Erkenntnisse publizierten wie z. B. das Arzneibuch der Kräuterheilkunde von Hildegard von Bingen. Ärztliche Behandlungen waren reine Männersache, Universitäten blieben Frauen verschlossen und Geistliche mussten den Behandlungen zustimmen. Die Gegenwart von Geistlichen am Kranken- bzw. Sterbebett war auch eine Kontrolle über den Arzt und die Angehörigen, damit diese nicht zu unlauteren Behandlungen gelangen mögen. Vor allem verstarben so viele Kranke unter Schmerzen, da somit die palliative Gabe von Opium verhindert wurde. Dass der Kirchenbesitz auch durch Schenkungen von Verstorbenen vermehrt wurde, ist da nur noch eine Marginalie am Rande.

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Warum neben dem Krankenhaus der Stadtfriedhof ist

Säftelehre, Keimtheorie, Aderlass, Quecksilber gegen Syphilis – viele Konzepte und Ideen der Ärzte führten zum frühzeitigen Tod des Patienten und wirkten sehr oft gegen die natürliche Selbstheilung. Dabei wussten damals schon viele Ärzte: Die meisten Krankheiten heilen von selbst. Über die Homöopathie von Samuel Hahnemann wurde der – verächtlich gemeinte – Begriff der Schulmedizin etabliert. Das war zu einer Zeit, in der es für Patienten fast immer eine Art Todesurteil war, wenn sie in eine Klinik überwiesen wurden. Unter dem Deckmantel von Begriffen wie „Krankenhausfieber“, „Kindbettfieber“ und „Hospitalbrand“ verstarben viele Patienten vor allem durch fehlende hygienische Maßnahmen. „Die räumliche Nähe der neuen Kliniken zu den Stadtfriedhöfen kam nicht von ungefähr.“ (1) Es kam noch hinzu: Über Blutgruppen wusste man nichts und so führten viele Transfusionen zum Tode. Besonders in Kriegszeiten wurde auch Schafsblut transfusioniert. Lungenentzündungen waren ebenfalls sehr häufig. Insgesamt betrachtet also alles andere als ein Ruhmesblatt für die Mediziner.

Die Wirtschaft entdeckt die medizinische Forschung

In dem Maße, in dem der Einfluss der Kirche auf die Medizin langsam verschwand, stieg der Einfluss der Wirtschaft auf diesen großen Wirtschaftsbereich an. Der viel gelobte Pasteur hatte kurz vor seinem Tode seine Theorie vom Bakterium selbst infrage gestellt: Nicht der Erreger, sondern das Milieu habe die größte Bedeutung. Auch Robert Koch, ebenfalls hochgelobt, verfolgte diese Erregertheorie. Was mag bei Pasteur wohl im Mittelpunkt seiner Interessen gestanden haben, wenn man weiß: „Pasteur war seit Jahren Auftragsdienstleister der Chemie- und Agrarindustrie.“ (1) Sowohl Koch als auch Pasteur zeichnete „sich durch Experimente an Menschen und Tieren aus“. (1) In den deutschen Kolonien kostete dies zahlreichen Menschen die Gesundheit und das Leben. (3) Eigentlich unfassbar, wenn man Herkunft und heutigen Stellenwert des Robert-Koch-Institutes vergleicht.

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Die Medizin wird vom Militär vereinnahmt

Die Keimtheorie, also dass etwas von außen den Menschen angreift und krank macht, passt gut in das militärische Konzept: Äußere Feinde bedrohen uns und müssen zurückgeschlagen werden. Und in der Tat: Viele Schlachten wurden durch epidemische Krankheiten entschieden. So war das Militär rasch mit im Boot zu einer Medizin, die das Äußere bekämpft. Es folgten Jahre mit entsetzlichen Experimenten (z. B. frontale Lobotomie) an Menschen und bei Psychosen wurde mit Elektroschocks gearbeitet. Wieder keinerlei ganzheitliche Betrachtung des Menschen als Einheit von Geist, Seele und Körper. Ergebnis war u. a. die Einführung des Reichsimpfgesetzes in Deutschland im Jahr 1877. Und – welche Parallelität zu unserer heutigen Zeit – über 75 Jahre lang wurden Impfschäden in Abrede gestellt, blieben unter Verschluss. Erst 1924 wurde der erste Zusammenhang zwischen einer Pockenimpfung mit einer Hirnschädigung belegt, aber erst 1953 (!!) machte ein Entscheid des Bundesgerichtshofs, der den Staat zu Entschädigungen verurteilte, einen Impfschaden amtlich. (4)

Die Ära der Antibiotika – und die Alternativen zu Antibiotika

Zur Zeit des Reichsimpfgesetzes blühte auch die Ära der Antibiotika. Wieder erblickten Helden das Licht der Welt. Es war die Zeit, in der unvorstellbare Substanzen als Heilungsversuche eingesetzt wurden: Aus dem Abfallprodukt Steinkohlenteer wurden Arsen und Benzol gewonnen und als Salvarsan ® als erstes Therapeutikum gegen Syphilis eingesetzt. Von der blühenden Farbenindustrie wurden Sulfonamide verwendet, also toxische Azofarbstoffe, die antimikrobiell wirkten. Dann entdeckte Félix Hubert d’Hérelle die Wirkungen von Phagenlösungen und ihre antibiotischen Eigenschaften. Doch dieser Lösungsansatz verschwand nach dem Zweiten Weltkrieg in der Schublade. „Die Medizingeschichte hat dies aus dem kollektiven Gedächtnis gestrichen und im Interesse der Pharmaindustrie Antibiotika als Sensationsentdeckung aufgebauscht, die sie nie waren.“ (1) Schade, denn die Phagenlösungen „waren in der Lage, krankheitserregende Bakterien in Menschen und im Trinkwasser ohne Nebenwirkungen zu zerstören.“ (1)

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Der Schlüssel zur Geldtruhe

Mit dieser Entwicklung begann der Prozess, den Dr. med. Gerd Reuther als „Die Herrschaft des medizinisch-industriellen Komplexes“ beschreibt. Er beginnt im Prinzip mit der Verabschiedung der viel gelobten allgemeinen Krankenversicherung am 15.6.1883 durch den Deutschen Reichstag. „Es war (…) der Tag, an dem der medizinisch-industrielle Komplex den Schlüssel zu einer Geldtruhe erhielt, die bis heute sprudelnde Einnahmen garantiert. Dies aber wäre ein Thema für eine ganz andere Story. Fakt ist: Der Glaube an Antibiotika als Allheilmittel und der Glaube an die Keimtheorie sowie wirksame Impfungen wurzeln tief in der Vergangenheit. Was uns heute beschäftigt und diskutiert wird, ist nicht plötzlich aufgebrochen, sondern hat seine Wurzeln tief und verzweigt in der Geschichte.

Quellenverzeichnis:

  1. Heilung Nebensache, Dr. med. Gerd Reuther, RIVA-Verlag, 2021
  2. Die Bibel, Altes Testament, Buch Jesus Sirach, Sir 38, 1-15
  3. Eckart, W. U.: Die Kolonie als Laboratorium. In: Griesecke, B.; Krause, M.; Pethes, N.; Sabisch, K.: Die Kulturgeschichte des Menschenversuchs im 20. Jahrhundert. S. 199-227, Suhrkamp, Frankfurt/Main 2009
  4. Bundesgerichtshof, Karlsruhe; Urteil III.ZR, 208/51

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