Erde: Dieses Jahr leider nicht mehr lieferbar – Erdüberlastungstag

Am 28.07.2022 um 6:50 Uhr war die Erde leider ausverkauft: Für 2022 wurden alle Ressourcen bereits verbraucht. Seither machen wir wieder Schulden bei Mutter GAIA: Schulden, die die nachfolgende Generation irgendwie abtragen muss. Der weltweite Erdüberlastungstag schockt uns kaum noch. Weitgehend ratlos und handlungsunfähig schauen wir zu wie der blaue Planet zerstört wird.

➥ Autor: Andreas Müller-Alwart

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Jedes Jahr die gleichen Warnungen und Mahnungen zum Erdüberlastungstag

Und von Jahr zu Jahr ist der Erdüberlastungstag immer früher im Jahresverlauf. Alles, was wir aber nach dem 28.07.2022 noch verbrauchen ist Zuviel und schädigt uns und unseren Planeten nachhaltig. Die Umweltverbände überschlagen sich mit dramatischen Meldungen – Gemanwatch, der WWF, Friends of the Earth, Bund für Umwelt und Naturschutz usw. usf. zählen akribisch auf, wie viele Tier- und Pflanzenarten täglich sterben, wie weit fortgeschritten und kaum noch umkehrbar die Zerstörungsprozesse sind und dass wir Menschen eben nicht wirklich eine Umkehr in die Wege geleitet haben. Ein wenig wird hier und da gebremst und mit Technologien gegen den Trend zu schrauben versucht, aber im Wesentlichen ändert sich nichts. Die Ursachen des Dilemmas – unser zu hoher Verbrauch, unser gieriges Finanzsystem und unser aus dem Ruder geratener Wachstumsglaube – gehen wir nicht an.

Foto: @moiseenkolina via envato.elements

Wachstumskritik ist älter als die heutige Politikergeneration

Bereits 1970, so hatte man errechnet, überstieg der damalige Verbrauch pro Jahr die Ressourcen der Erde. 32 Jahre ist diese Erkenntnis heute alt. „1970 überstieg der Verbrauch nach Angaben von Germanwatch zum ersten Mal die vorhandenen Ressourcen, bis 2000 wanderte der Erdüberlastungstag bereits vom Dezember in den September. Seit 2018 fällt der Erdüberlastungstag auf Ende Juli – mit Ausnahme von 2020, als die Corona-Pandemie kurzzeitig für weniger Ressourcenverbrauch sorgte.“ (1) Wir Deutschen dürften den Erdüberlastungstag eigentlich schon Anfang Mai feiern, denn bereits da hatten wir unseren Anteil an natürlich zur Verfügung stehenden Ressourcen aufgebraucht. „Würden alle Länder so haushalten wie Deutschland, wären drei Erden nötig.“ (1) Die Idee, dass wir sparen sollten, ist also gar nicht so neu …

Die Grenzen des Wachstums

Das – durchaus umstrittene, aber viel beachtete – Buch „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome war 1972 erschienen: 50 Jahre! Was hat sich seitdem verändert? Der Wachstumsglaube – ja Wachstumswahn – ist ungebrochen, er ist sogar noch verstärkt worden. Ein dahinter liegendes Narrativ ist, dass Gleichzeit und Gerechtigkeit nur hergestellt und der Hunger in der Welt nur besiegt werden könnten, indem fortlaufendes Wachstum die Menschheit beglückt. Auch für die Ärmsten der Armen würde so immer etwas vom Kuchen des Fortschrittes abfallen und letztlich seien wir somit auf dem richtigen Weg. Dieses Narrativ ist längst widerlegt. Was das Wachstum wirklich antreibt sind nicht humanitäre Gedanken von Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit, sondern ein Geldsystem, das sich von der realen Wirtschaft losgelöst hat und das – dem Zinseszinseffekt sei Dank – immer mehr Wachstum braucht, um entsprechende Renditen zu erwirtschaften. Wir wissen aufgrund der Einkommensverteilung, dass immer weniger Reiche immer mehr des gesamten Vermögens besitzen und dass die Erdbewohner dadurch nicht wirklich glücklicher geworden sind.

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50 Jahre – Nichts ist passiert

Man mag die Methode des Club of Rome und einige Fehler im Ansatz kritisieren, Fakt ist aber: Seit 50 Jahren führen wir nun diese Nachhaltigkeitsdebatte schon und das Einzige, was wirklich in der Bevölkerung angekommen ist, ist der Anglizismus von der substainability und von der Geschichte, dass ja auch Firmen wie Ökosysteme im Markt fungieren würden. Wirklich? Oder ist damit gemeint, dass einige Großunternehmen sich wie Parasiten im Markt bewegen und sich alles einverleiben? Wer sind dann die Symbionten, die sich im Markt mit allen und jedem zu arrangieren versuchen? War nicht die falsche Interpretation von Charles Darwin „survival of the fittest“ nicht fatal genug und der Versuch, dem Raubtierkapitalismus einen natürlichen, evolutionär bedingten Anstrich zu verleihen?

Was ist zu tun?

Die Corona-Lockdowns haben uns gezeigt: Die Wachstumsmaschine zeitweise anzuhalten, führt zwar zur temporären Entlastung der Erde, aber gleichzeitig zu hunderten Millionen Hungernden und zum Existenzverlust auf der ganzen Welt. Hilfreich kann deswegen nur ein Entkoppeln des Wachstums von den ökologisch-sozialen Folgen sein. Alternativ gäbe es nur die Option, dass sich die Gesellschaften vom Wachstumszwang zulasten von Mensch und Natur dauerhaft befreien. Sinnvoll und dringend angesagt wäre eine Entkopplung des realen Marktes vom spekulativen Teil des Finanzsystems. Renditehungriges Geld darf nicht der Treiber dafür sein, dass am Ende die Natur ausgebeutet und völlig zerstört zurückgelassen wird.

Foto: @iLixe48 via envato.elements

Was kann der Einzelne tun?

Das Entscheidende scheint zu sein: Jeder Einzelne sollte sich hinterfragen, was ihm in seinem Leben wirklich Sinn gibt, was ihn wirklich glücklich macht. Und was ist dann das Wesentliche, das er für die Erfüllung dieses Glückes braucht: Ist das wirklich ein schicker Sportwagen, eine eigene Villa, eine große Wohnung mit allem elektronischen Schnickschnack? Oder ist es am Ende eben doch eher eine intakte Familie und warmherzige Freundschaften, ein für die gesamte Menschheit sinnstiftender Beruf, ein einfaches, aber gesundes Leben? Wie hoch ist der Anteil bei jedem Einzelnen von uns, den wir aufwenden, um dieses fehlende Glück zu kompensieren? Es fängt beim Genuss einer Schokolade oder eines Gläschen Rotweins an, mit dem wir uns für den anstrengenden Tag belohnen und beglücken, weil der Tag aus sich selbst heraus so wenig Glücksmomente geliefert hat. Es geht weiter mit der Kurzreise und Urlaubsreise, mit der wir uns für die nicht erfüllende, anstrengende Tätigkeit im Hauptberuf belohnen. Dies alles braucht Ressourcen. Dies alles wäre vermeidbar, wenn der Alltag voller Glück und Freude wäre. Wozu bräuchten wir dann noch die Kompensationen, all diese Dinge, die wir um uns herum anschaffen, damit wir noch Lebendigkeit und Freude empfinden.

Wir sind alle Mittäter und die Lösung liegt auf der Hand

Aus dieser Sichtweise heraus, ist es wenig zielführend und auch außerhalb unseres Einflussbereiches, immer nur auf die Politik und Wirtschaft zu schauen, dass sie dieses Thema schon bewerkstelligen werde. Mehr als 50 Jahre haben alle Mahnungen und Forderungen nichts gebracht: Der Energie- und Ressourcenverbrauch, das Artensterben und die Vergiftung unserer Mitwelt haben zugenommen – allen kleineren Erfolgen zum Trotz. Solange das Glück und Belohnungssystem von uns allen an den Konsum und das (quantitative) Wachstum gekoppelt sind, wird der Erdüberlastungstag Jahr für Jahr immer früher stattfinden.

Foto: @koldunov via envato.elements

Menschen brauchen Menschen und nicht materielles Wachstum

Wesentlich ist auch, dass wir – wie Hirnforscher Gerald Hüther dies so zutreffend in seinen Büchern und Vorträgen beschreibt – uns viel zu sehr wie Objekte anstatt wie liebenswürdige Subjekte behandeln. Auch das führt zu Leiden und dem Bestreben, dieses Leiden durch andere Glücksmomente – in der Regel eben durch Konsum – auszugleichen. Würden wir uns hingegen liebevoll und als Subjekte behandeln, uns im Hier und Jetzt wertschätzen und Freundschaften und Liebe pflegen, wäre unser Bedarf für diese Art der Kompensation mit materiellen Gütern, Reisen, Genussmitteln und Luxus kaum noch vorhanden. Den Wachstumswahn zu überwinden und die Erde zu retten, bedeutet in diesem Sinn vor allem, sich wieder menschlich und wertschätzend miteinander zu verbinden. Glück, Freiheit, Gerechtigkeit und „Gleichheit“ haben ihren Ursprung dort und nicht im Kapitalismus. Wem es schwer fällt, dies zu glauben, der möge arme Länder z. B. in Afrika bereisen, um zu erkennen wie menschlich reich, gesund und glücklich viele Menschen dort sind und dies trotz der offensichtlichen materiellen Armut, die dort ohne jeden Zweifel anzutreffen ist.

Quellenverzeichnis:

  1. Natürliche Ressourcen für 2022 verbraucht – der Erdüberlastungstag, ZDF-Redaktion,
    https://www.zdf.de/nachrichten/panorama/klima-ressourcen-erdueberlastungstag-100.html (aufgerufen 31.07.2022)
  2. Infografik TransForTainment, Quelle: Statistika, Juli 2021, und Zeitschrift „presente“ 1/2021 www.ci-romero.de (Seite 5).

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